Lebenskrise

Mit fortschreitendem Alter machen die meisten Menschen die Erfahrung einer Lebenskrise. Das kann sein:

  • der Verlust eines geliebten Menschen
  • zwischenmenschliche Probleme in Familie oder Partnerschaft
  • finanzielle Probleme
  • Unfall oder Krankheit
  • der Verlust des Arbeitsplatzes
  • eine Krise als Führungskraft

Der Auslöser ist also häufig ein Verlust. Dabei ist es nicht entscheidend, ob ein Mensch einen Menschen, ein Tier oder sein Haus verliert: Schock und Trauer führen in denselben emotionalen Zustand. Grundsätzlich können wir Trauer als natürliche Krise erleben. Ziel sollte immer sein: Das Erlebte wird nach einigen Jahren tragbar.

Unsere Gesellschaft akzeptiert den nötigen Trauerprozess der Hinterbliebenen und die dafür erforderliche Zeit häufig nicht in ausreichendem Maße. Trauer wird nicht als ein natürlicher Vorgang begriffen, sondern ab einem bestimmten Zeitpunkt als Krankheit angesehen. In der Folge werden gesunde Menschen mit unabsehbaren negativen Auswirkungen therapiert. Das war nicht immer so, und in anderen Kulturen nehmen Menschen den Tod auch heute noch als Teil des Lebens und bereiten sich darauf vor. Richtig sterben lernen heißt richtig leben lernen (Ulli Olvedi: Die Energien des Lebens und Sterbens).

Altern und Tod werden in unserer Gesellschaft weitgehend verdrängt. Jeder Mensch könnte sich mit zunehmendem Alter auf den unausweichlichen Tod vorbereiten. Stattdessen werden Zeit und Geld in einen absurden Jugendlichkeitswahn investiert. Die Sterbenden und Toten und damit die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit werden so weit wie möglich weggeschoben. Das Todeserlebnis wird in unserer Kultur so lange ignoriert, bis der Augenblick da ist. Dann sind wir unvorbereitet und bekommen große Angst.

Eine spezielle Form der Krise tritt häufig im Beruf in einer neuen Verantwortung als Führungskraft auf. Probleme tauchen nach einer Anfangsphase in der neuen Position fast unweigerlich auf: vielleicht werden die Mitarbeiter “schwierig”,  die Arbeit wird zu viel, oder die Zahlen stimmen wie aus heiterem Himmel nicht. Oder alles auf einmal. Dies wird erst spät als Krise wahrgenommen, vor allem weil eine neue Führungskraft in dieser herausfordernden Situation oft alleine gelassen ist. Leider wird dadurch schon die erste Grunderfahrung verpasst, nämlich dass es fast jeder Führungskraft irgendwann so erging oder ergeht! Aber weil viele lieber schweigen, sieht es so aus als würden „die anderen“ bestens mit so einer Situation klarkommen. Ich kann aus Erfahrung sagen: so ist es nicht!

Wenn die Krise erkennbar ist, sollte dringend geklärt werden, wie die Situation realistisch einzuschätzen ist, ob im Arbeitsumfeld Hilfe zu erwarten ist, welche Parameter verändert werden können, und für welche Parameter Hilfe von außen geholt werden sollte.

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